»Die Stadt aus meiner Perspektive«

Ein Fotoprojekt mit Wohnungslosen in Köln

Unter dem Motto »Die Stadt aus meiner Perspektive« findet im Jahr 2023 in Köln ein Fotoprojekt mit wohnungslosen Menschen statt. Dabei erhalten einige Klienten der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Köln über 100 Einwegkameras. In diesem Rahmen entstehen über 800 Fotografien. Die Teilnehmenden entscheiden selbst, welche Motive sie fotografieren und wie sie sich darstellen. „Wir wollten Wohnungslosen ein Medium an die Hand geben, mit dem sie leicht umsetzbar ein Statement abgeben können.“ So beschreibt es der Mitinitiator des Projekts, Michael Lampa von der Wohnungsnotfallhilfe.

Die Fotografien zeigen in der Regel zwei Arten von Motiven: Entweder den Alltag der Wohnungslosen im Kölner Stadtraum oder die Schönheit der Natur mit ihren Bäumen, Seen und Tieren. Den Initiatoren des Projekts geht es dabei um mehr als nur das Fotografieren. Sie sehen darin eine Form der Selbstermächtigung: „Ich glaube, dass es für Menschen generell ein großer Schritt ist, etwas Schöpferisches zu machen und sich damit öffentlich zu zeigen“, erläutert Michael Lampa. „Dazu gehört Mut. Menschen, die wohnungslos sind, haben häufig und in vielen Situationen Ablehnung erfahren. Für uns war es deshalb wichtig, keinen Leistungsdruck zu erzeugen und eine möglichst wertschätzende und positive Atmosphäre zu schaffen“. Indem die Perspektive der Wohnungslosen gezeigt wird, soll außerdem der Dialog zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Menschen unterschiedlicher Lebenswelten gefördert werden. „Es werden Blickwinkel sichtbar, die sonst nicht sichtbar sind“, berichtet Lena Felde, Studienleiterin der Melanchthon-Akademie. „Kunst als Mittel zur Selbstermächtigung kann ein Schritt sein hin zu mehr Verständnis und Respekt im Umgang miteinander. Dafür wird es weiterhin wichtig bleiben, die oft verborgenen Stimmen hörbar zu machen.“

Das Kunstprojekt »Die Stadt aus meiner Perspektive« ist eine Initiative der Aktion Mensch, des Diakonischen Werks Köln und der Melanchthon-Akademie. Ausgewählte Fotografien wurden der Öffentlichkeit bereits an verschiedenen Orten in Form einer kleinen Ausstellung präsentiert.